09. Mrz 2017

Wiener Wohnungsmarkt 2017

Ein deutlicher Nachfrageüberhang und steigende Mieten sowie Kaufpreise prägten den Wiener Wohnungsmarkt nicht nur 2016, sondern werden auch das Jahr 2017 kennzeichnen. So die Hauptaussage der Verantwortlichen von BUWOG & EHL Immobilien im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz zum Thema „Wohnungsmarkt Wien 2017“.

Nach wie vor gibt es zu wenig Wohnungen für zu viele Wiener. 2017 werden zwar voraussichtlich ca. 8.000 Wohnungen fertiggestellt, der Wohnungsbedarf wird allerdings auf ca. 15.000 Einheiten steigen. Die Ursachen für diese starke Nachfrage liegen im Bevölkerungswachstum, in demografischen Veränderungen (sinkende Haushaltsgrößen) und im steigenden Zuzug. „Die Angebotslücke ist damit zwar kleiner als 2016 und im Rekord-Zuzugsjahr 2015, aber dennoch wächst der Fehlbestand an Wohnungen weiter“, erklärt Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin von EHL Immobilien Management. „Für Wohnungssuchende bleibt die Situation daher unverändert schwierig und auch Mieten und Kaufpreise werden weiter steigen.“  Das gestiegene Preisniveau, bei gleichzeitig wenig veränderter finanzieller Leistungsfähigkeit der Wohnungssuchenden, führt dazu, dass die höheren Quadratmeterpreise durch weitere Abstriche bei den Wohnungsgrößen ausgeglichen werden müssen. „Die durchschnittliche Größe neuer Wohnungen ist auch 2016 gesunken und auch für 2017 und darüber hinaus rechne ich mit einem ähnlichen Trend“, so Bauernfeind. „Einzimmerwohnungen sind heute 30 m² groß, vor vier bis fünf Jahren waren es noch 35 bis 40 m². Im zahlenmäßig wichtigsten Segment, den Zweizimmerwohnungen, sind mittlerweile auch Wohnungsgrößen oft unter 40 m² keine Seltenheit mehr.“

Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter von EHL Immobilien, sieht diese Entwicklung skeptisch. „Einige Zeit konnten die geringeren Größen durch bessere Wohnungsplanung ausgeglichen werden, aber mittlerweile sind die Wohnungsgrundrisse so effizient, dass jede Verkleinerung einen Abstrich bei der Wohnqualität bedeuten muss.“ Darüber hinaus sei es wichtig, dass sehr kleine Wohnungen so geplant werden, dass sie relativ leicht zusammengelegt werden können. „Irgendwann wird der Größentrend auch wieder in die andere Richtung gehen und wer das nicht bereits jetzt berücksichtigt, könnte in einigen Jahren auf nicht mehr marktgerechten Wohnungen sitzen bleiben.“

Geeignete Gegenmaßnahmen zu diesem Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot sieht Andreas Holler, GF BUWOG Development Österreich, vor allem in verbesserten Rahmenbedingungen „Der Markt bietet uns und der gesamten Branche exzellente Möglichkeiten, aber wir können sie viel zu wenig nutzen. Wir könnten im mittleren Preisbereich Tausende neue Wohnungen verkaufen oder vermieten, aber wir können sie nicht bauen, weil es schlicht zu wenig verfügbare Grundstücke zu vertretbaren Preisen gibt.“ Daran werde sich auch wenig ändern, wenn seitens der Politik nicht die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Baulandproblematik in den Griff zu bekommen. Immerhin seien dazu im kürzlich vorgestellten Regierungsprogramm richtige Ansätze enthalten. „Baulandmobilisierung wird ja explizit erwähnt, jetzt kommt es aber darauf an, die Ankündigung rasch und konsequent in die Praxis umzusetzen. Wenn mehr geeignete Grundstücke vorhanden sind, wird die Wohnbaubranche Milliarden investieren und binnen kurzer Zeit sind wir bei einer weit höheren Neubauleistung als heute“, sagt Daniel Riedl, CEO der BUWOG Group. Wenn die Politik ihre Ankündigungen rasch umsetze, dann gäbe es binnen weniger Jahre keine Wohnungsnot mehr, ist sich Riedl sicher.

Als führender Komplettanbieter im Wohnimmobilienbereich baut die BUWOG Group auch 2017 ihre „Development-Pipeline“ weiter aus. In den drei Kernmärkten Wien, Berlin und Hamburg sollen in den kommenden Jahren rund 9.000 Wohnungen errichtet werden. Das entspricht einem Investitionsvolumen von rund EUR 1,1 Mrd. in Wien, knapp EUR 1,0 Mrd. in Berlin und etwa EUR 0,4 Mrd. in Hamburg. Zum Stichtag 31. Oktober 2016 befanden sich in Wien 855 Wohnungen mit ca. 70.000 m² Nutzfläche in Bau. Zum Ende des Geschäftsjahrs 2016/17 sollen 379 Einheiten fertiggestellt werden, 166 davon werden in den eigenen Bestand übernommen. Das größte der aktuellen BUWOG-Projekte befindet sich im 23. Wiener Gemeindebezirk. Am Liesingbach entstehen im Rahmen des Projekts „Rivus“ in mehreren Baustufen insgesamt rund 500 Miet- und Eigentumswohnungen. Der erste Bauteil „Rivus Quartus“ mit 100 Mietwohnungen, errichtet im Zuge der Wiener Wohnbauinitiative, und 30 freifinanzierten Eigentumswohnungen sowie Pool am Dach soll im Herbst 2017 fertiggestellt werden.

www.buwog.com, www.ehl.at