14. Jan 2016

Der Gute vs. der Böse oder das Image des Immobilienmaklers

Zwischen der Selbst- und Außenwahrnehmung der Immobilienmakler klafft ein gewaltiger Spalt. Zweifelhafte, unprofessionelle Investorendiener? – oder doch vertrauenswürdige Partner wohnungssuchender Menschen. Im Streitfall ist beides wahr.

PRO

Markus Schraml

Vor einiger Zeit suchte eine Bekannte, nennen wir sie Mathilde, eine neue Wohnung. Das Problem war, dass sie sie innerhalb von nur zwei Wochen brauchte, weil ihr alter Mietvertrag nicht verlängert wurde, womit sie aber fest gerechnet hatte. Eine freundliche Mitarbeiterin des zuständigen Maklerbüros, gleichzeitig die Hausverwaltung, erkannte Mathildes Notlage und schlug ihr umgehend drei potenzielle Nachfolgewohnungen aus ihrem Portfolio vor. Gemeinsam gingen sie einen Tag später auf Besichtigungstour durch die Wienerstadt und nach kurzer Bedenkzeit hatte Mathilde eine neue Wohnung. Super Lage, günstige Miete und das Beste – sie zahlte keine Provision. Die freundliche Mitarbeiterin begründete das damit, dass Mathilde ja schon Kundin bei ihnen sei. Dies ist nur ein Beispiel für ein positives Maklerinnenerlebnis, das dem fragwürdigen Image dieses Berufsstandes widerspricht. Betrachten wir die Sache doch einmal von MaklerInnenseite aus: Viele Branchenvertreter leiden nämlich unter diesem schlechten Image, denn in ihrer Selbstwahrnehmung leisten sie gute Arbeit. Aufnahme des Verkaufs-, Mietobjekts, Abklärung fachlicher, rechtlicher, steuerlicher und wirtschaftlicher Fragen, entsprechende Aufbereitung, Schaltung von Inseraten, Onlinestellen, Beschilderungen, Werbeaktivitäten sowie Besichtigungen vor Ort sind Tätigkeiten, die der Makler/die Maklerin leistet. Ein Erfolgshonorar gibt es erst, wenn die Immobilie verkauft oder vermietet ist. Dabei stehen die Chancen zur Imageverbesserung gut: steigende Professionalisierung sowie immer bessere Kompetenz und Seriosität tragen dazu bei. Übrigens – beide Parteien ziehen doch am gleichen Strang. Der Mieter sucht dringend eine Wohnung, der Makler will möglichst schnell vermieten. Ist doch eine klare Deckel-Topf-Situation. Und bitte, geschätzte Wohnungssuchende, legt doch endlich diese Opferrolle ab und ersetzt das Gefühl des Ausgeliefertseins durch das Machtgefühl des Konsumenten.

CONTRA

Maik Novotny

Der solariumgebräunte Herr mit dem Goldschnallenköfferchen, der die Balkontür zur dröhnenden 80-Dezibel-Straße schließt, bevor er ins Handy säuselt: „Nein, nein, die Wohnung ist sehr leise!“ Die Blondine, die sich nach der Besichtigung entschuldigt, im Haus wohnten leider auch Ausländer, bevor sie in ihrem brandneuen Cabrio davonbraust. Nur zwei Maklererlebnisse aus eigener Erfahrung, die selbstverständlich nicht repräsentativ sind. Doch solche Anekdoten gibt es zuhauf.

Dilettantische, unscharfe Handyfotos und handgekrakelte, unlesbare Grundrisse auf Immobilienseiten: Professionell geht anders. Makler, die bei der Besichtigung gerade mal wissen, in welcher Stadt die Wohnung sich befindet: Dafür Provision zahlen? Anzeigen, in denen fettgedruckt „Makleranrufe zwecklos!“ steht, und die einem trotzdem Dutzende Anrufe pro Tag einhandeln: Sympathiewellen entstehen so nicht. Der Maklerberuf scheint in der Bevölkerung einer der unpopulärsten überhaupt zu sein. Die Essenz der Kritik lässt sich kurz mit der Frage: „Wo war die Leistung?“ zusammenfassen. Sicher alles nur Klischees. Oder?

Manches mag übertrieben sein, doch auch sachliche Kritik hagelt es regelmäßig. Die Mietervereinigungen bemängeln überhöhte Provisionen, das Versäumen der Auskunftspflicht, und dubiose Passus in den Verträgen. Dass das 2015 in Deutschland eingeführte Bestellerprinzip, nach dem der Vermieter die Provision zu zahlen hat, maklerseits sofort zu findigen Tricks zu Lasten der