14. Jan 2016

Offline im Urlaub?

Ständige Erreichbarkeit ist heutzutage sowohl in der Arbeit als auch privat ein Muss. Hin und wieder ganz abzuschalten, kann dabei für stressgeplagte ZeitgenossInnen recht erholsam sein. Doch ist die völlige Smartphone-Abstinenz denn noch möglich – und wenn ja, wollen wir das überhaupt.

PRO

Es mag ja Arbeitsbienen und Chefgenien geben, ohne die es wirklich nicht geht und deren Fähigkeiten das Unternehmen auf Erfolgskurs halten. Diese Arbeitsmenschen haben es so an sich, niemals ob des Arbeitspensums und des dafür notwendigen Zeitaufwands zu klagen – und das kann zum Problem werden. Denn 70 Wochenarbeitsstunden mögen eine Zeit lang verkraftbar sein, aber auf Dauer wird das jedem Körper und Geist zu viel. Das Ergebnis ist, der Verlust der braven Sachbearbeiterin, der schmerzhafte Abgang des Abteilungsleiters oder die mit Burn-out zur völligen Arbeitsunfähigkeit verdammte und darniederliegende Kleinunternehmerin. Das führt zu einer massiven Beeinflussung des Firmenerfolgs und im Extremfall zur Auflösung des Unternehmens. Damit es erst gar nicht so weit kommt, bedarf es einiger Fixregeln für die Arbeitswütigsten unter uns.

Mindestens ein freier Tag pro Woche, an dem nichts getan werden darf, was auch nur im Entferntesten mit dem Job zu tun hat.

Sportlicher Ausgleich (aber keine Extremsportarten).

Regelmäßige längere Pausen, für die das Gleiche gilt wie für den freien Wochentag. Länger meint – mindestens zwei Wochen, in denen berufsmäßiges Kommunikationsverbot herrscht und die Gedanken in anderen Bahnen laufen sollen. Alle Kommunikationskanäle zu kappen ist innerhalb unserer Informationsgesellschaft gar nicht so leicht und manch einer/eine meint, ohne Smartphone praktisch nicht lebensfähig zu sein. Dazu kommt die Schwierigkeit, dass die Kommunikationsmittel private und berufliche Zwecke gleichermaßen erfüllen. Aber es hilft nichts – für das Wohl der zukünftigen Arbeitswelt heißt es – Handy aus im Urlaub.

Und wer die Kommunikation mit Familie und Freunden wirklich nicht auch nur für einen Tag aussetzen will – tja, für diejenigen gibt es einen ganz einfachen Lösungsweg – gemeinsam verreisen. Die besten Freunde und liebsten Familienmitglieder fahren mit und zusammen kann das Experiment des Offlineseins dann geübt werden.

CONTRA

Die mobile Kommunikation hat die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Durch Computer und Mobiltelefonie sowie der perfekten Kombination aus beidem – kleiner tragbarer Geräte, die nicht nur der telefonischen Erreichbarkeit dienen, sondern sich auch mit dem Internet verbinden. Smartphone und Tablet sind Arbeitsmittel, die den Workflow effizienter machen und die Kommunikation intensivieren, flexibilisieren und schlichtweg verbessern. Notwendige Arbeitsanweisungen können so umgehend an die Außendienstmitarbeiter weitergegeben, Unklarheiten auf kurzfristigem Weg bereinigt und die allgemeine Kommunikation zwischen den Unternehmen enorm beschleunigt werden.

Diese Kommunikationsmittel sind auch ein Teil des Prozesses, der die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben immer mehr verfließen lässt. Dabei wird ein Smartphone sowohl dazu benutzt, um Kunden zu erreichen als auch die eigene Familie und Freunde. Je nach Berufsgruppe ist dieser Zusammenhang von privat und beruflich unterschiedlich stark ausgeprägt: Selbstständige, Freiberufler, Künstler oder Politiker arbeiten meist sehr viel und haben wenig Freizeit. Digitale Kommunikationsgeräte helfen das Arbeitspensum zu minimieren, in dem sie die Effizienz und Schnelligkeit steigern. Eine kurze aber zeitnahe E-Mail kann Missverständnisse beseitigen und den Arbeitsfluss wieder weiterlaufen lassen. Selbstständige Unternehmer müssen wie Politiker immer erreichbar sein – das gilt für das Wochenende oder den Urlaub ebenso. Dabei geht es nicht darum, auch noch in der Freizeit intensiv zu arbeiten, sondern darum eine schnelle Entscheidung zu treffen oder eine Maßnahme zu beauftragen, die anderen Menschen erlaubt, die Arbeit fortzusetzen. Ein kurzer E-Mail-Check im Hotel oder im Strandcafé kann also Mitarbeitern das Arbeitsleben entscheidend erleichtern und den Urlaubschecker kostet es nur wenige Minuten, in denen er/sie, an einer eisgekühlten Margarita nippend, kurz ein paar Buchstaben eintippt.