14. Jan 2016

Die Magie der Leichtigkeit

Christophe Pillet, Designer

Laut dem New Yorker Time Magazine zählt es zu den 50 besten Destinationen des Jahres 2015. Das 5-Sterne-Hotel Sahrai im marokkanischen Fez ist ein magischer Ort. Architekt und Designer Christophe Pillet kreierte einen modernen Palast aus Glas und Taza-Stein.

Besitzer Anis Sefrioui trug die Vorstellung von einem Sahrai-Hotel schon lange Zeit, bevor es tatsächlich das Licht der Welt erblickte mit sich. Der junge Unternehmer und Sohn eines Architekten sammelte erste Erfahrungen im Hotelbereich, als er das Riad Fès führte, ein Ort, der von seinem Vater in ein Hotel umgebaut worden war und mit dem er bemerkenswerte Relais & Châteaux Standards erreichte. Bereits damals kam er mit dem französischen Architekten und Designer Christophe Pillet in Kontakt, der für ihn das Spa im Riad gestaltete. Während dieser Zeit im Herzen von Fez stieg bei Sefroui die Überzeugung, dass diese Stadt ein etwas anderes Hotel brauchte, eines, das die Anforderungen einer neuen internationalen Klientel befriedigen konnte. Als schließlich ein Platz auf einem Hügel, wo einst der Sommerpalast von Marschall Lyautey stand, mit perfekter Sicht auf die Medina von Fez, frei wurde, kam das Projekt Hotel Sahrai in Gang.

Tatsächlich sind die Ausblicke auf die verschiedensten bauhistorischen Teile der Königsstadt Fez, die seit 1981 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, großartig. So war es auch das Hauptziel des Projekts der uralten Kultur dieser Stadt einen zeitgenössischen Ausdruck zu verleihen. Dabei sollte sowohl die reiche Geschichte als auch der dynamische Geist der marokkanischen Metropole sichtbar werden. Designer Pillet, der im Lauf seiner Karriere schon viele Hotelprojekte umgesetzt hat und der auch die Stadt Fez gut kennt, da er hier ein eigenes Stadthaus besitzt, brachte seine ganze Erfahrung ein und eröffnete mit dem Sahrai einen Dialog zwischen lokaler Tradition und Avantgarde-Design. Als Projektmanager behielt er diese stilistische Konversation das gesamte Gebäude hindurch bei, was das Sahrai zu einem völlig neuen visuellen Erlebnis macht. Anis Sefrioui hat gut daran getan, Pillet komplett freie Hand zu lassen. Der Designer greift unter anderem Motive der großen Bögen auf, die einst die Fassade des Sommerpalasts von Marschall Lyautey schmückten, auf dessen Ruinen das Sahrai steht. Die 50 geräumigen Zimmer und zwei Restaurants sind um üppig bepflanzte Atrien angeordnet. Auf dem Dach befindet sich eine Bar mit Panoramaterrasse und für die Wellness der Gäste gibt es ein exklusives Givenchy Spa, kombiniert mit einem traditionellen Hamam und einem Fitnessstudio mit Technogym® Ausstattung.

Fassi Krüge 02

Im architektonischen Konzept von Christophe Pillet kommt dem Licht eine maßgebliche Rolle zu. Ein Wechselspiel von Schatten und Licht multipliziert die vertikalen Linien der schwarzen Eisenrahmen, aber auch die horizontalen Linien der Treppe, die zum Dach führt. Dieses Spiel setzt sich mit Reflexionen im Wasser des Pools sowie an den Decken fort und betont auch die Mulden der großen skulpturalen Gipsplatte hinter der Rezeption. Diese Art der Gestaltung erzeugt eine helle Atmosphäre und ein großzügiges Raumgefühl. Das zeigt sich sowohl in den öffentlichen Bereichen als auch in den Zimmern, in die die Bäder in offener Weise mit Glaswänden integriert wurden. Gäste, die lieber unbeobachtet duschen, können Privatheit mittels Vorhang herstellen.

An Böden und Wänden des Hotels dienen Fassaden aus Taza-Stein als Basis für die klare, helle Architektur. Das durchgehende Leitmotiv im Haus sind Laternen aus Kupfer, die von einem lokalen Hersteller stammen. Sie sind in unterschiedlichen Kombinationen in den Gängen und den öffentlichen Bereichen zu finden und geben ein gutes Beispiel für unverwechselbar mit dem Hotel verbundene Kreationen, in denen lokale Fähigkeiten und Traditionen mit den Ansprüchen zeitgemäßen Designs eine Verbindung eingehen. Typisch marokkanisch sind die großen, dekorativen Fassi-Krüge, die eigens für das Hotel angefertigt wurden. Die Stühle, Sofas und Liegen im Außenbereich sowie die Sofas in der Bar und der Lobby, aber auch die Liegestühle in den Schlafzimmern wurden von Christophe Pillet ebenfalls eigens für das Sahrai entworfen. Diese Sahrai-Kollektion wird mittlerweile vom italienischen Hersteller Living Divani produziert. Mit Pillets Anleitung stellte ein talentierter Handwerker die Möbel für die Rezeption, Konsolen, Couchtische, Kleinmöbel aus Metall und Marmor, Schreibtische, Gepäckablagen, begehbare Kleiderschränke sowie in den Badezimmern die Waschbecken und Bäder aus Marmor her. All diese maßgefertigten Stücke werden ergänzt durch Designs, die Pillet für Emu, Tacchini und Varaschin entworfen hat sowie durch eine Auswahl von speziellen Stücken wie zum Beispiel einem Bett von Piero Lissoni oder einer ikonischen Schreibtischleuchte aus den 1960er Jahren.

Der Designer

Klarheit des Ausdrucks und die Suche nach Einfachheit sind im Schaffen von Christophe Pillet die wichtigsten Grundsätze. Eleganz durch Leichtigkeit findet sich dabei in den unterschiedlichsten Gestaltungen des Franzosen. Zu seinen Anhängern gehören führende Köpfe der Luxus- und Modewelt wie Catherine Malandrino oder John Richmond. Er beherrscht das Spiel von Sinnlichkeit und Raffinesse wie kaum ein anderer und findet damit globale Anerkennung. Pillet weitet seine Aktivitäten immer mehr aus – von Objekten und Möbel über den Retailsektor bis hin zu Hotelprojekten reicht sein Radius. Und seine Arbeit führt ihn immer wieder über die Grenzen Frankreichs hinaus bis in die Vereinigten Staaten oder nach Japan. Einer der besonders hell glänzenden Sterne in Pillets Oeuvre ist ohne Zweifel das Sahrai in Fez, wo traditionelle Handwerkskunst und das großteils maßgefertigte Interieur einen sehr eigenständigen Charme versprühen, der dieses Hotel zu einem Must-See nicht nur in Marokko macht.

www.hotelsahrai.comwww.christophepillet.com