14. Jan 2016

Das Dilemma des Individualreisenden

Individualreisen,

Wer berühmte, wundervolle Naturplätze oder Bauwerke sehen möchte, der/die kann dem touristischen Rudel kaum entgehen. Und hier ist nicht die Rede vom All Inclusive-Strand oder einem gut besuchten Salzkammergut- oder Kärntner-See – nein, selbst an Orten, die als Geheimtipp gelten, besser gesagt, die im Medium des persönlichen Vertrauens so verkauft wurden, will sich einsamer Genuss und das freie Aufatmen nicht einstellen, sobald der Bus der Individualreisegesellschaft seine beiden Türen öffnet und die 20 bis 40 gemeinsam Individualreisenden auf die Stätte des individuellen Interesses loslässt. Reisen abseits der ganz großen Touristentrampelpfade bewegen sich eben auch auf Trampelpfaden – nur auf etwas schmäleren, ein bisschen weniger begangenen oder befahrenen. Geschäft ist Geschäft – und die reisewillige Masse nimmt unaufhörlich zu, sodass auch Nischen mittlerweile sehr gut gefüllt sind.

Wie also kann die sehnsuchtsvoll angestrebte Reiseeinsamkeit als Teil der Milliardenspezies Mensch und als ein Zeitgenosse/Zeitgenossin, der/die seine ArtgenossInnen zumindest im Urlaub meiden möchte, Wirklichkeit werden? Wie können individuelle Reiseerlebnisse, die ihren Markennamen verdienen, im 21. Jahrhundert noch in die Tat umgesetzt werden? Etwa gar nicht! Zuhause bleiben, Tür verschließen, Ohropax und Augenbinde? Das ist wohl keine Lösung.

Realistische Minimierungsmaßnahmen wären etwa – reisen Sie absolut außerhalb der Saison, meiden Sie Ferienzeiten, Wochenenden und schönes Wetter. Wichtig dabei ist nur die richtige Ausrüstung und Kleidung, um gegen alle witterungsbedingten Widrigkeiten gewappnet zu sein. Verlegen Sie ihre individuellen Vorlieben in punkto Reiseziel weiter in Richtung ungekannter Außergewöhnlichkeit, extremer, langwieriger Anreisestrapazen und legen Sie sich in Sachen Übernachtungskomfortanforderungen buddhistischen Gleichmut zu. Das ist die eine Variante. Eine weitaus bequemere Alternative ist das Reisen im oberen Luxussegment, wo es Orte, Unterkünfte und einen Service gibt, die nur in den geheimen Zirkeln der oberen 10.000 (heute 100.000) per geflüsterter Mundpropaganda weitergegeben werden. Wenn Sie also zu jenen gehören, die im Restaurant nie auf die rechte Seite der Speisekarte schauen und die das Wort Geld nie in den Mund nehmen, obwohl genau das Ihr Business ist, dann spitzen Sie im Country Club die Ohren, wenn – ganz leise – von einem neuen streng geheimen Reisehotspot die Rede ist.