14. Jan 2016

There’s no place like home

Für Gregory Phillips muss ein Haus ein Heim sein. Die Kunden seines Londoner Büros für Architektur und Interieur Design sollen sich in ihrem privaten Lebensraum geborgen fühlen. Wie ihm das gelingt, zeigt die Vielzahl von Projekten, die er vor allem in Großbritannien aber auch international auf beeindruckende Weise umgesetzt hat.

Wenn Gregory Phillips ein Projekt in Angriff nimmt, steht der intensive Kontakt mit dem Kunden am Beginn. Dessen Wünsche und Vorlieben bilden eine erste Leitlinie. „Wenn wir ein Projekt beginnen, beschäftigen wir uns mit dem Grundstück, mit der Lage und den Anforderungen des Kunden. Mit sorgfältiger Analyse finden wir heraus, was das Beste für den Standort ist. Wir schauen uns den Lebensstil des Kunden und seine Sehnsüchte an. Außerdem versuchen wir die versteckten Wünsche offenzulegen, die möglicherweise da sind, aber nicht ausgesprochen werden – das ist wie Detektivarbeit“, erläutert Phillips die ersten Schritte in einem Projekt. Sein Büro für Architektur und Interieur Design hat er 1991 gegründet. Gregory Phillips Architects hat sich auf die umfassende Gestaltung von hoch qualitativen Wohnprojekten spezialisiert und verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der von der Architektur über die Inneneinrichtung bis zur Landschaftsgestaltung reicht. Die maßgeschneiderten Designlösungen des Büros und die professionelle Abwicklung haben bereits viele hochkarätige Bauherrn luxuriöser Stadthäuser oder stilvoller Landsitze in Anspruch genommen. Phillips: „Ein Haus sollte ein Zufluchtsort sein und das Leben der darin Wohnenden unterstützen. Gutes Design bringt Komfort und Freude in ein Haus und ist funktionell aber auch elegant. Außerdem glaube ich, dass ein Haus den wechselnden Bedürfnissen einer Familie dienen muss. Darüber habe ich viel gelernt, während der acht Jahre langen Arbeit an meinem eigenen Haus.“

Muswell Hill

Tatsächlich hat der geborene Londoner Phillips, der seine Ausbildung an der Universität Bristol und an der Mackintosh School of Architecture in Glasgow absolvierte, sein eigenes Haus in Muswell Hill über Jahre hinweg als eine Art Versuchslabor für Architektur- und Designideen benutzt. „Durch die Arbeit an meinem eigenen Haus konnte ich sicherstellen, dass meine Ideen, Lösungen und Produkte, die ich verwende, auch gut funktionieren. Außerdem habe ich dadurch meine eigenen Geschmacksvorlieben entwickelt. Ich habe das Haus immer wieder verbessert, was auch die mit den Jahren gestiegenen Erwartungen meiner Kunden widerspiegelt. Mit meinem eigenen Haus konnte ich einige Ideen ausprobieren, wie etwa das Leben mit einer Küchenarbeitsplatte aus Edelstahl – mittlerweile würde ich nichts anderes mehr wollen. Ich probierte auch neue Holzoberflächen aus, einige Details und auch Ideen zur Gartenbepflanzung“, beschreibt Phillips den Nutzen sein eigenes Haus als Laboratorium zur Verfügung zu haben.

Berkshire

Ein bemerkenswertes neues Projekt entstand unweit des Themse-Ufers in Berkshire. In enger Zusammenarbeit mit dem Kunden kreierte Phillips ein zeitgenössisches Einfamilienhaus, das sich nahtlos in die umgebende Landschaft einfügt. Phillips: „Die Aufgabe bestand darin, ein Haus für eine Familie zu kreieren, das eine Reihe von Erholungsräumen und –einrichtungen sowohl innen aus auch im Außenbereich beinhalten würde. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen des Kunden und bietet ein luxuriöses, zeitgemäßes Einfamilienhaus mit klaren Linien, natürlichem Licht und prächtigen Möbeln und Stoffen.“ Die Architektur des Berkshire-Hauses ist von traditionellen Landhäusern inspiriert. Um den zentralen Hof mit Wänden aus Feuerstein sind großzügig proportionierte Räume angeordnet. Die verbindenden Korridore sind mit einer Wandvertäfelung aus karamellisiertem Eichenholz verkleidet, die mit dunklen Basaltsteinböden kontrastiert wird. „Man betritt das Haus über den Innenhof, wo der Blick auf die Landschaft verstellt ist. Die Feuersteinwände des Hofs sind eine Referenz auf das Material der örtlichen Kirche. Durch eine Öffnung kommt man dann zum Pool, der die dunklen Steinplatten reflektiert, was ein bisschen den Eindruck vermittelt, man würde über Wasser gehen. Danach betritt man die Eingangshalle mit doppelter Raumhöhe, wo der Blick auf die Landschaft sozusagen enthüllt wird. Durch viel Glas und große Schiebetüren, die in den Garten führen, gibt es fliesende Beziehungen zwischen innen und außen“, erklärt der Architekt. Generell gibt es hier viel Glas, um den weiten Ausblick Richtung Nordwesten zu ermöglichen. Im Garten wurden ein Swimming Pool und ein Tennisplatz angelegt. Die Landschaftsgestaltung folgt einer einfachen, semi-formalen Gestaltung, die zum weitläufigen Gelände und weiter zur offenen Landschaft führt.

Guildford

Das Guildford-Projekt ist ein gutes Beispiel für die gelungene Kombination von historischem Baustil und modernem Zubau. Ein ländliches viktorianisches Haus sollte so umgebaut werden, dass einige der ursprünglichen Merkmale erhalten bleiben, gleichzeitig aber ein heller, offener Wohnraum entsteht. Der bestehende Zubau aus den 1980er Jahren bot dafür keine Möglichkeit mit seinen schmalen Gängen und Räumen, die an einen Kaninchenbau erinnerten. Der Vorschlag von Gregory Phillips Architects sah anstelle des 80er-Jahre-Baus eine neue zweistöckige Erweiterung vor. Um die Forderungen des Bauherrn nach Subtilität zu erfüllen, wurde ein Untergeschoss geschaffen, um den Swimming Pool unterzubringen. Während der Erweiterungsarbeiten wurde auch das Haupthaus komplett entkernt. Gregory Phillips: „Projekte von dieser historischen Bedeutung und Größenordnung werden nur selten mit Anmut und Respekt für die ursprüngliche Struktur umgesetzt. Solch einen Fehler wollten wir hier auf jeden Fall vermeiden. Dem Haupthaus fehlten große Räume, wie es das Wohnen im 21. Jahrhundert verlangt. Wir lösten das, indem wir den Speisesaal elegant in den hinteren Bereich erweiterten. Was uns auch die Möglichkeit gab, neue französische Türen und Fensterläden einzubeziehen, die sich zum brandneuen Balkon und zum neu terrassierten Garten hin öffnen.“ In diesem Projekt kontrastiert und ergänzt die architektonische Sprache der neuen Erweiterung die traditionelle Form des originalen viktorianischen Hauses. Für beide Gebäude wurde der gleiche weiße Verputz verwendet, was für eine visuelle Verbindung von alt und neu sorgt.